Freitag, 19 Januar 2018

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VCM 2017

2017 Bericht VCM hoch 17

Eine neue PB! ©Tremel

VCM 2017 – Eine neue persönliche Bestleistung im Halbmarathon!

Zweimal pro Jahr schaue ich, dass ich einen Halbmarathon laufe. Für mich ist das ein guter Mittelweg, weil es eine Distanz ist, die ich als Hobbyläufer noch bewältigen kann, obwohl sie jedes Mal aufs Neue eine ganz eigene Herausforderung und Erfahrung ist. Einmal, im Jahr 2014 in Mörbisch, ist es mir gelungen, unter zwei Stunden zu bleiben (01:56:09 – die neun Sekunden mit Vorbehalt; ich wollte nachschauen, ob diese Zeit exakt stimmt, aber ich habe sie mir leider damals nicht notiert und die Homepage des RC Hohe Wand dürfte gerade offline sein, während ich diese Zeilen schreibe). Seitdem bin ich dieser „persönlichen Schallgrenze“ immer wieder aufs Neue nachgejagt, habe es aber nie geschafft. Ausreden (begründet oder nicht) gibt’s natürlich viele: Zu wenig Training, zu schlechte Tagesverfassung, zu viele Leute auf der Strecke, die einen vom idealen Tempo abhalten, zu heißes oder zu kaltes Wetter…das kennt ja jeder. Letztes Jahr, 2016, bin ich mit 2:00:13 (wieder mal in Mörbisch) der magischen Zwei-Stunden-Marke schon seeehr nahe gekommen, was gleichzeitig motiviert und frustriert.

Vergangenen Sonntag (23.04.2017) konnte ich zum letzten Mal für die Universität Wien beim VCM im Halbmarathon starten. Das letzte Mal deshalb, weil sich mein Studium dem erbitterten, unvermeidbaren und irgendwie doch ersehnten Ende entgegenneigt. 2016 noch bei der Staffel dabeigewesen, wollte ich dieses Mal wieder die 21,1km alleine laufen. Ganz ehrlich: Viel darauf vorbereitet hab ich mich nicht. Zusätzlich war die ganze Woche vor diesem Ereignis aus sportlicher Sicht komplett zu vergessen: Das schlechte Wetter machte mich zum Stubenhocker und Saunageher, das Fußballtraining musste abgesagt werden und letztendlich drehte ich eine einsame, gemütliche Runde am Hundsheimer Berg, um das schlechte Gewissen doch noch ein wenig zu beruhigen.

Selbstverständlich mit Gehpausen in den steilen Passagen – man wollte sich ja so kurz vorm Wettkampf keinen Muskelkater holen. An den Start gehen würde ich auf jeden Fall, aber abgesehen von einem hoffentlich schmerzfreien Finish versprach ich mir nichts. Wirklich nicht.

In der Nacht vor dem Vienna City Marathon kam ich auf geschätzte drei Stunden Schlaf. Die restlichen geplanten vier Stunden entfielen auf Nervosität, Schwindel, Übelkeit und wirre Gedanken. Dementsprechend gerädert erschien ich am Sonntagvormittag am Start. Wenige Minuten nach neun Uhr ertönte der Startschuss für unseren Block und es ging los, über die windumtoste Reichsbrücke (ich weiß, das klingt jetzt dramatisch, aber es war wirklich so). Und von da an . . . ging mir irgendwie der Knopf auf. Die ersten paar Kilometer waren noch eher zach und zum Munterwerden gedacht, aber in der Hauptallee fand ich dann ein sehr angenehmes Tempo, das ich gut durchziehen konnte. Die Stimmung auf und entlang der Strecke trug wesentlich dazu bei – mein Highlight war diesmal eine Frau, die während des Laufens (!) lautstark italienische (?) Arien sang. Dermaßen gepusht und erheitert konnte ich die ersten zehn Kilometer in knapp 55 Minuten zurücklegen, was mich sehr positiv überraschte. Auch wenn es noch weit bis zum Ziel war, wäre eine Zeit unter zwei Stunden gar nicht mal so unwahrscheinlich. Auf der Wienzeile hatte ich dann ein bisschen einen Durchhänger, der aber nach weniger als zwei Kilometern wieder vorbei war. Schließlich ging es in Richtung Mariahilfer-Straße, wo wieder „leiwaunde“ Lieder ihren Weg auf die Laufstrecke fanden („Kabinenparty! Geht scho, gemma Voigas!“). Ab ungefähr Kilometer 17 fühlte ich mich dann, als würde ich durch eine Röhre laufen. Ich war voll fokussiert, die Pflastersteine verschwammen zu einem Muster und die Schmerzen, die sich mittlerweile eingestellt hatten, waren mir völlig egal. Als ich bei Kilometer 19 auf die Uhr schaute, wusste ich, dass sich eine Zeit unter zwei Stunden ausgehen würde, selbst wenn ich jetzt im Schritttempo weiterlaufen würde. Diese Gewissheit zu haben, war wirklich einmalig toll.

Richtig lustig wurde es dann 500m vorm Ziel, als ich abermals auf meine Uhr schaute und erkannte, dass ich sogar auf Bestzeit-Kurs unterwegs war – aber nur, wenn ich jetzt nochmal richtig Gas geben würde! Die Geräusche, die ich auf den letzten 500 Metern von mir gab, übertrafen sicher italienische Arien und Kabinenpartys. Aber ich wurde belohnt: Mit einer neuen Halbmarathon-Bestzeit von 01:55:56!!

Für alle Leistungssportler ist diese Zeit peinlich. Manche Hobbyläufer würden sich die 21,1km nicht zutrauen. Jeder empfindet das anders und das ist ja auch gut so. Mir hat dieser Moment einfach sehr viel gegeben und irgendwie wirklich gut getan. Die persönliche, seit 2014 gejagte Schallgrenze zu durchbrechen und gleich noch eine (wenn auch knappe) persönliche Bestleistung aufzustellen, war ein genialer Moment und definitiv mehr, als ich mir für diesen Tag je erwartet hätte.

Was bleibt jetzt noch? Ein Danke und eine Gratulation. Das Danke geht an meinen Freund Lukas, der sich trotz starker Verkühlung als Packesel zur Verfügung gestellt und mich im Ziel wieder aufgegabelt hat. Wer weiß, vielleicht kommst du ja auch mal über die Halbmarathon-Distanz mit.

Die Gratulation geht an meine Vereinskollegin Vera Kröpfl-Pinggera, die sich die volle Marathon-Distanz in 03:28:13 gegeben hat. So etwas wäre für mich unvorstellbar. Leider (und wahrscheinlich zum Glück für dich) haben wir uns auf der Strecke nicht getroffen, sonst wäre dieser Bericht etwas weniger egoistisch ausgefallen. Ich hoffe, dass du mit dieser Leistung zufrieden bist und dass alles gut über die Bühne gegangen ist! Meinen größten Respekt J

Anm.d.Red.: Herzliche Gratulation an beide Athletinnen und danke für den Bericht!

by Babsi Tremel, 24. April 2017